Onda-Matsuri in Nishiteno

10.08.2018

Tag 11 - 26.07.2018

von Tamara Opacic

Heute waren wir bei dem jährlich stattfindenden Onda-Matsuri in Nishiteno dabei. Die offizielle Eröffnung des Matsuri fand um 10 Uhr beim Kokuzō-Schrein statt, in dem zuerst eine Zeremonie abgehalten wurde. Gegen 10:45 machten sich die Beteiligten dann schließlich auf den Weg zur sogenannten Okaria, dem Ort an dem die Götter speisen und das Ziel der Prozession darstellt. Bereits während der Zeremonie standen die Teilnehmer des Umzuges beim Schrein bereit und warteten auf ihren Einsatz. Schon dort war gut zu erkennen, dass es verschiedene Rollen gab, die den jeweiligen Personen je nach Alter und Erfahrung zugeteilt wurden.

Die wichtigste nahm aber der Priester ein, der zuerst eine rote Robe trug und nach der Zeremonie in ein blaues Gewand wechselte. Bei den jüngsten Teilnehmern handelte es sich um Burschen, die entweder weißes Gewand mit schwarzen Kopfbedeckungen trugen, oder grünes Gewand mit Strohhüten. Weiters trugen sie während des religiösen Umzuges auch Stöcke, die unter anderem mit verschiedenen Figuren geschmückt waren und während der Feier die verschiedenen Rollen des Umzuges darstellen sollten. Mädchen durften leider nicht aktiv an dem Umzug teilnehmen.

Bei einer weiteren Gruppe handelte es sich um die sogenannten Unari. Diese wurden von Frauen verkörpert, die von Kopf bis Fuß in weiß gehüllt waren und Kisten auf ihren Köpfen transportierten. Mir wurde erklärt, dass sich darin das Essen befand, dass die Götter in der Okaria verspeisen sollten. Bei den Männern gab es jene, die weiße und auch welche die blaue Happi, traditionelle japanische Jacken, trugen. Die Gruppe der Personen mit den blauen Happi wurde des Weiteren in Personen unterteilt, die dafür verantwortlich waren die Mikoshi zu tragen, und jene, die für das Schlagen der Taiko verantwortlich waren. Für das Tragen der Mikoshi wurden 20 Männer ausgewählt, von denen 10 den vorderen Teil der Mikoshi trugen und die restlichen 10 für den hinteren Teil verantwortlich waren. Es gab außerdem drei Priester und drei Pferde beim Umzug. Einer von ihnen saß während des Umzuges auf einem Pferd vor der Mikoshi und hatte die Aufgabe, die Götter zu leiten. Ebenso auf einem Pferd sitzend, ritt der bereits zuvor erwähnte Priester in blauem Gewand als Letzter beim Umzug.

Nennenswert sind auch die vielen Fotografen, die an diesem Tag anwesend waren und ununterbrochen Fotos von dem Matsuri schossen. Doch die schwerste Aufgabe zu erfüllen hatten die Männer, von denen die Mikoshi getragen wurde und denen es offensichtlich schwer fiel, das Gewicht zu tragen und die dadurch besonders unter der Hitze litten. Auf ihrem Rückweg zum Schrein mussten sie mehrere Pausen machen und fingen plötzlich an, die Mikoshi zu schütteln, sodass einige der Ine herunterfielen. Diese wurden von den dort anwesenden Personen aufgehoben und auf das Dach der Mikoshi geworfen. Wenn sie dort hängen blieben und nicht herunterfielen, bedeutete dies Glück bei der Ernte.

Außerdem erfuhren wir auch eine mögliche Erklärung, warum die Männer die Mikoshi schüttelten. Laut einem Dorfbewohner gab es zwei mögliche Ursachen. Zum einen schüttelten die jungen Männer die Mikoshi symbolisch. Es sollte demonstriert werden, wie die Götter sich weigern an den Ort zurückzukehren, von dem sie herkamen und das Schütteln sollte ihre Verweigerung repräsentieren. Eine andere Erklärung war jene, dass die Männer dies einfach aus Erschöpfung taten. Eine weiterer Umstand, der mir zunächst unklar war, war der Grund, warum einige Personen, und in diesem Fall insbesondere die Kinder, Geld in die Mikoshi legten und während der Pausen unter ihr hindurch gingen. Später fand ich heraus, dass sie es taten, da es Glück bringen sollte.

Eine weitere wichtige Besonderheit waren die Jimaki, bei deren Herstellung wir einen Tag zuvor helfen durften. Diese wurden um circa 12 Uhr verteilt und jede Person bekam zwei Stück, die in einer bestimmten Art und Weise zusammengeflochten werden mussten und deren Durchführung uns von einem netten Dorfbewohner erklärt und vorgeführt wurde. Des Weiteren erfuhren wir, dass man sie mit nach Hause nimmt und einen davon zu Hause isst, während man den anderen auf den Kamidana stellt, um die Göttern und Ahnen zu ehren.

Außerdem gab es auf dem Hinweg keinen Gesang, doch auf dem Rückweg wurde reichlich gesungen. Es wurden jene Lieder wiedergegeben, die bereits Tage zuvor fleißig geübt wurden. Als die Mikoshi wieder beim Schrein angekommen war, liefen die Männer um einen Baum herum und nachdem sie die Treppe hinaufgegangen waren folgten schließlich siebeneinhalb Runden um den Schrein. Alles in allem war das Matsuri sehr interessant, trotz der vielen Schwierigkeiten die Gründe hinter den Taten zu verstehen. Wie ich herausfand erging es nicht nur mir so und viele der anderen Besucher hatten ähnliche Schwierigkeiten.

Außerdem fand ich es sehr schade, dass Mädchen und Ausländer nicht an dem Matsuri teilnehmen durften. Während des Matsuri wurden sogar einige der Studenten gefragt, ob sie beim Tragen der Mikoshi helfen würden, falls sie dürften. Was sie sofort bejahten, doch der Zuständige lehnte dies letztendlich leider ab, da Ausländer die Mikoshi nicht tragen dürfen. Trotzdem fand ich es schön zu sehen, dass zumindest versucht wurde einige der anwesenden Mädchen in irgendeiner Art und Weise einzubinden, als sie gefragt wurden, ob sie das Pferd des Priesters ziehen möchten. Dies schien sie zu erfreuen und sie nahmen das Angebot gerne an.

Es war offensichtlich wie hart die Dorfbewohner gearbeitet haben um diese Feier zu ermöglichen und wie viel Zeit und Mühe sie in die Planung gesteckt haben. Ich hielt das Matsuri für einen guten Weg, den Zusammenhalt in der Gemeinschaft zu stärken und etwas, dass mir noch besonders gut gefallen hat, war die Tatsache wie die Menschen aufeinander aufgepasst und sich gegenseitig umeinander gekümmert haben. Es wurden Getränke und Salzzuckerl verteilt, um der Hitze entgegenzuwirken. Es hat mich sehr gefreut bei den Vorbereitungen für dieses Fest zu helfen und dann auch bei dieser Feier dabei sein zu dürfen.

Das Fest beginnt.
Die Burschen warten auf den Beginn der Prozession.
...und auch die Stockpuppen sind bereit.
Der Priester steigt die Stufen des Schreins hinab.
Die sechs Unari tragen die Gaben für die Götter.
Die Prozession.
Vor der Okaria lauern die Fotografen inmitten der Reisfelder.
Glücksverheißende Ine auf dem Mikoshi.